Reetfeld

Was macht gutes Reet aus?

Ihr Dach ist nur so gut wie der Werkstoff, aus dem es besteht. Um die Qualität des Reets von Anfang an zu sichern, ist eine ausgeklügelte Planungs- und Prüfkette nötig. Kaum ein Laie kann sich vorstellen, was alles dahintersteckt.

Reet ist nicht gleich Reet

Noch vor der Ernte im Winter beginnt der erste Schritt: Die Schilfanbauer wählen geeignete Areale für den Schnitt aus, prüfen die jeweiligen Pflanzen. Reet ist nämlich nicht gleich Reet: Dort, wo regelmäßig geschnitten wurde, erhöht sich die Qualität. Und: einjähriges Rohr ist das am besten geeignete für Dächer, denn es ist besonders elastisch. Auch die einzelnen Halme müssen den Qualitätsansprüchen genügen: Felder mit zu kurzen, zu spiddeligen oder gar krummen Halmen fallen heraus.

Reettransport in China

Wo wächst eigentlich das Reet für unsere Dächer?

In Deutschland gibt es nur noch kleinere Schilfgebiete, die oft den gewerblichen Anbau nicht lohnen. In Naturschutzgebieten ist die Ernte ohnehin nur mit Sondergenehmigungen erlaubt. Das deutsche Reet reicht also nicht aus, um den wachsenden Bedarf zu decken. Heute kommt der Löwenanteil des Reets auf deutschen Dächern aus dem Ausland, hauptsächlich aus der Türkei, Ungarn, China und Rumänien. Der Reethandel garantiert dafür, dass das Importschilf mit den gleichen strengen Maßstäben geprüft wird wie heimische Ware.

Feldarbeiter bei der Aufbereitung der Bunde

Das Können bei der Ernte entscheidet

Ganz wichtig für die spätere Qualität des Dachreets ist die schonende und fachgerechte Ernte. Schnitt früher ein Mann mit der Sichel 15 bis 20 Bund pro Stunde und band sie zu Garben, erledigen diese Aufgabe heute meist Balkenmäher oder Amphibienfahrzeuge, die den Untergrund schonen. Die Bunde werden, und das ist entscheidend für die Qualität, vor dem Binden geschüttelt und ausgekämmt. So fallen kurze Halme und Pflanzenreste heraus. Zu Garben aufgestellt müssen die Bunde eine Zeitlang im Freien lagern. So kann der Wind die Halme trocknen. Erst dann werden die Bunde zu Paketen gepackt und abtransportiert.

Trockene Lagerung im Erntegebiet

Trocken vom Feld bis zum Dach

Ein wesentliches Qualitätskriterium für gutes Reet ist dessen Trockenheit, deshalb sollte Reet vom Feld bis zum Dach trocken gelagert und transportiert werden. Im Feld werden die Reetbunde zu Pyramiden aufgestellt, so werden nur die äußeren Halme bewittert. Damit das Reet seine Reise trocken antreten kann, erfolgt die Aufbereitung an möglichst regenfreien Tagen. Die trockene Lagerung der fertigen Bunde erfolgt in überdachten Hallen. Um das Reet zum Kunden zu bringen, verwenden die Pro-Reet Händler speziell konstruierte LKW, die die Luft zirkulieren lassen und das Rohr trotzdem per Plane vor zuviel Nässe schützen. Beim Kunden übernimmt der Reetdachdecker die Verantwortung und sorgt für die trockene Lagerung und Verarbeitung des Reets.

Gut belüftete Lagerung von Dachreet

Richtig gelagert ist halb gewonnen

Ein bisschen Sprühregen von außen auf ein Bund – das nimmt Reet nicht krumm. Nie darf aber das Innere nass werden. Sonst droht Schimmelbildung, ähnlich wie sie der Landwirt von Heu- oder Silageballen kennt. Um das auszuschließen, lagern die Mitglieder der Interessengemeinschaft Pro Reet ihr Schilfrohr in eigens erbauten und gut belüftbaren Hallen. Von dort wird es „just in Time” zur Baustelle geliefert. Dort entscheidet das Können des Dachdeckermeisters über das weitere Schicksal der Halme. Wie der Meister dort die Qualität sicherstellt, lesen sie in der Rubrik „Was macht ein gutes Reetdach aus?”.

Auch auf die inneren Werte kommt es an!

Reet setzt sich aus einer Vielzahl von Stoffen zusammen, die später den Aufbau und somit die Haltbarkeit des Reets beeinflussen. Die Zusammensetzung dieser Stoffe ist im Wesentlichen vom Klima und der Qualität des Bodens abhängig. Das Verhältnis von Kohlenstoff (C) und Stickstoff (N) (C/N-Wert) wirkt sich beispielsweise, ähnlich dem Ligningehalt auf die Zersetzbarkeit des Pflanzengewebes aus. Auch die Kapillarität und die Halmwanddichte sollen ein Indikator für hochwertiges Reet sein. In welchem Maße diese „inneren” Werte für die Haltbarkeit von Reet verantwortlich sind, wird derzeit in zahlreichen Forschungsprojekten nachgegangen, die von der IG Pro Reet unterstützt werden.

Gibt es eigentlich ein Qualitätssiegel für Reet?

Immer wieder werden wir von Pro Reet gefragt, ob es nicht ein einheitliches Qualitätssiegel für das Schilfrohr gibt? Bisher ist das leider nicht der Fall. Pro Reet arbeitet aber mit Bauforschern zusammen, um solche Standards zu entwickeln. So gibt es u.a. eine Kooperation mit der Fachhochschule Lübeck, Abteilung Bauwesen.