Reetfeld

Datenblatt Reet

Meisterwissen über den Umgang mit Reet wurde früher über Generationen mündlich und durch die Praxis weitergegeben. Dieser Wissensschatz blieb meist auf den einzelnen Handwerksbetrieb begrenzt. Mit dem Tod der alten Meister oder der erfahrenen Gesellen ging viel von diesen Kenntnissen verloren. Das ist heute anders: Die Meisterbetriebe hierzulande arbeiten sehr eng in den jeweiligen Innungen zusammen und entwickeln seit Jahren gemeinsame Regeln für den fachgerechten Umgang mit Reet. Diese Regeln heißen „Produktdatenblätter für Reet”. Sie werden laufend aktualisiert.

Reetwissen aus der Praxis – für die Praxis

Die Meister arbeiten aktuelles Praxiswissen, aber auch neue Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung mit ein. Hinzu kommen Erfahrungen bei der Restaurierung von Baudenkmälern. Die neueste Ausgabe des Produktdatenblattes Reet stammt vom März 2003. Für den Bauherrn bedeutet das: Jeder der anerkannten Meisterbetriebe (Tipp: Fragen Sie ruhig bei Angeboten, ob der Meister Innungsmitglied ist!) muss sich nach dem vierseitigen Regelwerk richten. Dadurch soll ein vergleichbarer Standard sichergestellt sein, egal ob Sie Ihr Ferienhaus auf Sylt oder den ererbten Bauernhof im Schwarzwald mit Reet decken lassen möchten.

Hier die wichtigsten Regeln aus dem Produktdatenblatt Reet:

Wo Reet draufsteht, muss auch wirklich Reet drin sein.

Und zwar das gemeine Schilf- oder Teichrohr (lateinisch Phragmites communis). Regional kann das aber im Volksmund ganz anders heißen: Rohr, Ried, Ret, Reth, Rohrschilf oder Schilf. Achten Sie darauf, dass diese Begriffe im Angebot auftauchen. In manchen Regionen wie im Spreewald haben auch Strohdächer (aus Roggen oder Weizen) Tradition. Sie müssen genau von Reet unterschieden werden.

Beobachten Sie, wie Ihr Dachdeckermeister die gelieferten Halme durch die Finger gleiten lässt und wie beiläufig eine Bruchprobe macht: In diesem Moment prüft er, ob die Ware die Qualitätsanforderungen aus dem Datenblatt erfüllt. Tipp: Fragen Sie nach! Meister freuen sich oft, ihr Wissen weiterzugeben. Mit dem Daumen ermittelt der Kenner, ob das Reet hart genug ist, nicht brüchig. Der geübte Griff und der Augenschein verraten, ob es ausgereift ist. Erfahrene Handwerker können in den Bunden quasi lesen.

Hier zählen Form und Maß: Sie wundern sich, warum Ihr Dachdecker ab und zu ein Bund an die Fassade stellt und nicht nach oben trägt? Das liegt daran, dass er gemäß dem Datenblatt Form und Maß prüft. Zu schlanke oder zu kurze Bunde haben da keine Chance. Dem Händler wird ihr Meister was erzählen. Mehr als zehn Prozent Fehlmaße wird er nicht dulden – laut Datenblatt.

Trocken lagern – aber sicher: Manche Bauherren stört die Plane, unter der das Reet gelagert wird. Sie ist aber nötig. „Bei der Lagerung darf keine Feuchtigkeit eindringen. Oberflächliche Feuchtigkeit trocknet wieder, das Bundinnere muss trocken sein”, mahnt das Datenblatt. Fahren Sie zuvor aus Interesse zu dem Reethändler, werden Sie feststellen: Auch hier liegt jedes Bund trocken unter Dach und Fach. Das ist so Vorschrift.

Wo kommt mein Reet eigentlich her? Sie haben als Bauherr ein Recht auf genaue Bezeichnungen. So will es das Datenblatt. Nicht einfach nur Reet, sondern zum Beispiel „mittellanges Reet vom ungarischen Plattensee, geschnitten im Jahr ...”. Auch der Händler soll genannt werden. Tipp: Auf den Internetseiten der Händler finden Sie oft interessante Hintergrundinformationen zum Beispiel zur Reeternte in Südeuropa. Fragen sind auch hier herzlich willkommen.

Ist mein Reet sortenrein oder wird das gemischt? Für den Laien sehen die Reetbunde irgendwie gleich aus, egal ob sie aus Ungarn, Rumänien oder der Türkei kommen. Wie kann ich sichergehen, dass mein Giebelreet nicht aus Ungarn und der Rest ganz woanders herkommt? Ganz einfach, die Bunde werden gekennzeichnet. Der Händler vermerkt darauf gemäß Datenblatt sein Zeichen und das Abbaugebiet. Ihr Dachdeckermeister achtet darauf, dass alles einheitlich ist.

Auf den Spuren des Reets reisen: Die Datenblätter nennen auch die derzeit üblichen Reetabbaugebiete. In diesen Regionen herrscht eine lange Tradition bei der Ernte und Verarbeitung. Tradition, auf die Sie sich als Bauherr verlassen können. Diese Anbaugebiete laden förmlich zu Reisen ein, weil sie sich meist in landschaftlich schönen Feuchtgebieten befinden. Hier die Liste der anerkannten Reetgebiete und ihre Schlüsselkennzahlen: Deutschland (Region 1), Dänemark (2), Niederlande (3), Estland (4), Polen (5), Österreich (6), Ungarn West (Fertoe, 7), Ungarn (8), Rumänien (9), Türkei-Nord (Schwarzmeerküste, 10), Türkei Süd (11), Südafrika (12), Litauen (13), Lettland (14), Ukraine (15), Weißrussland (16).